Kathrin Bode

Der Wellensittich, der vom Kater gerettet wurde (Kurzgeschichte)

Der Wellensittich, der vom Kater gerettet wurde

Es war Februar. Und kalt. Februar eben.
Das ganze ist schon einige Jahre her, damals wohnte ich noch im Haus meiner Eltern im Dachgeschoss. Zusammen mit zwei alten Wellensittichen, Oma und Opa. Beide schon an die 10 Jahre alt.

An diesem Tag im Februar blickte ich gegen Mittag flüchtig aus dem Fenster. Um es dann gleich aufzureißen. Etwas grün-gelbes war vorbeigeflogen. Und fünf Meter entfernt von mir auf dem Dach gelandet.

Ein kleiner Wellensittich. Wie schrecklich. Der Arme!!
Ich musste ihn retten. Nur wie?

Versuch Nr.1: Ihn nett zu rufen.
Klappte nicht. Er war wohl nicht zahm. So ein Pech.
Trotzdem versuchte ich es eine ganze Zeit weiter.
Dann flog er weg.

Versuch Nr. 2: Hinterher laufen. Aber auch das brachte uns nicht wirklich näher.
Ich ging wieder rein. Zum Glück flog er auch wieder in die Richtung meines Fensters (nur leider nicht rein).

Versuch Nr. 3: Meine beiden Wellensittiche kamen ins Spiel. Eindringlich erklärte ich ihnen, warum sie doch bitte genau jetzt wunderschön zwitschern sollten. Sie sahen das aber nicht ein. Oder ihnen war zu kalt. Nach fast einer Stunde geöffnetem Fenster….

Versuch Nr. 4, moderne Technik: Dank Internet fand ich doch so einige Audio-Dateien mit Vogestimmen. Wenn meine schon nicht wollten… oh doch. Als meine beiden Alten die Töne hörten, machten sie mit. Aber auch das brachte den Vogel da draußen nicht in mein Zimmer.

Irgendwann setzte ich mir ein Zeitlimit. Bis 13:30 Uhr, dann ist Schluss.

Es wurde 13:30 Uhr, in meinem Zimmer waren weiterhin nur zwei Wellensittiche. Oma und Opa.

Traurig schloss ich das Fenster und dachte, ich schaue mal nach Felix, meinem Kater (der, der vom Himmel fiel http://www.myheimat.de/lehrte/beitrag/95279/der-kater-der-vom-himmel-fiel/ ). Trost konnte ich gut gebrauchen.

Felix hatte ein Kellerzimmer mit Katzenklappe. Ich ging also runter und schaute durch die Scheibe in der Tür.
Und Felix war da.
Aber nicht alleine.
Da flog etwas grün-gelbes durch das Zimmer.

Versuch Nr. 5:
Rein in das Zimmer.
Kater hinausbefördern (ja, die undankbaren Menschen…)
Wellensittich fangen.
War gar nicht so einfach, so munter wie der war!
Und dem Vogel fehlte nicht eine Feder.

Plötzlich hatte ich dann nicht mehr zwei Wellensittiche, sondern vier.
Denn zu den Alten konnte Pete (natürlich bekam er einen Namen) nicht, sondern er brauchte einen neuen Partner.